Bericht vom JMStVCamp in Essen

Als der komplette Landtag von Nordrhein-Westfalen im Dezember 2010 den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (kurz: JMStV) gekippt hat, war längst offensichtlich, dass wir eine breite gesellschaftliche Debatte über funktionierenden und verhältnismäßigen Jugendmedienschutz im Internet brauchen. Der netzpolitische Sprecher der GRÜNEN Landtagsfraktion NRW, Matthi Bolte, machte am 18. Februar 2011 den Auftakt mit der Veranstaltung „Zukunftsfähigen Jugendmedienschutz gemeinsam gestalten“. Trotz über fünf Stunden langer und konstruktiver Diskussionen zeigte sich, dass es noch viel mehr Zeit und Raum bedarf, das Thema ausführlich zu bearbeiten. In der Nachbereitung wurde deshalb die Idee entwickelt, ein überparteiliches (!) Barcamp zu organisieren, dass sich den Problemen und Herausforderungen annehmen soll – das JMStVCamp war geboren.

Konstruktive Diskussionen

Nach Wochen der Vorbereitung war es nun am Samstag soweit – im Essener Unperfekthaus kamen rund 110 Personen zusammen, um über den Jugendmedienschutz im Zeitalter digitaler Medien zu diskutieren. Das Publikum war erfreulich gemischt – viele GRÜNE, SPDler, Piraten und parteilose ExpertInnen aus Wissenschaft, Verwaltung, Verbänden, Medien und Wirtschaft  fanden den Weg nach Essen. CDU (zwei), LINKE (eine/r) und FDP (null) folgten der Einladung leider nur sehr spärlich. Auch Bundestags- und Landtagsabgeordnete von SPD und GRÜNEN beteiligten sich am Barcamp, so dass die Ergebnisse auch in die parlamentarischen Prozesse eingespeist werden können. Ausdrücklich loben möchten wir an dieser Stelle noch einmal die konstruktive Arbeitsatmosphäre vor Ort – sowohl innerhalb, als auch ausserhalb der Sessions.

In rund 20 Sessions wurde von 10 bis 18 Uhr diskutiert und gearbeitet. Dabei zeigte sich unter Anderem, dass Jugendliche selbst die größten Gefahren im Cyber-Mobbing sehen. Ein soziales Problem, das auf den Schulhöfen beginnt und sich im Netz fortsetzt und sichtbar(er) wird. Hier muss der Ursprung des Problems angegangen werden, Filtersoftware & Co blenden die Probleme vielmehr nur aus. Intensiv wurde auch über Medienkompetenz gesprochen – oft als Allheilmittel in den vergangenen Diskussionen angeführt. Eltern kommt bei der Vermittlung natürlich eine besondere Verantwortung zu, sie dürfen aber mit diesen Herausforderungen nicht alleine gelassen werden. Auch Schulen und Lehrer müssen deshalb in die Pflicht genommen werden. Unterstützend kann hier spezifisch für Lehrer und Eltern aufbereitetes Informationsmaterial wirken, das teilweise auch schon existiert, aber den meisten nicht bekannt ist. Eine zentrale politische Forderung wurde in einer der letzten Sessions erhoben: Bei der Neugestaltung des nächsten JMStV muss es eine breite gesellschaftliche Beteiligung geben. Die Hinterzimmerpolitik der Staatskanzleien, die zum berechtigten Scheitern der letzten Novelle geführt haben, lehnten alle TeilnehmerInnen unisono ab.

Damit die Ergebnisse und Diskussionen des JMStVCamps nicht einfach verhallen sondern nachhaltig verfügbar sind, wurde (fast) jede Session direkt schriftlich dokumentiert, Audioaufnahmen werden noch folgen.

Die Arbeit fängt jetzt erst an

Das GRÜNE Fazit fällt positiv aus, der große Zuspruch hat nicht nur die Relevanz des Themas bekräftigt, sondern auch den Willen der Gesellschaft, hier aktiv mitzugestalten. Das JMStVCamp hat hier eine gute Ausgangslage für die weiteren Diskussionsprozesse geschaffen und die Beteiligten an einen Tisch geholt. Die Arbeit beginnt aber erst jetzt und wir sind gerne bereit, ein weiteres JMStVCamp im nächsten Jahr wieder zu unterstützen.

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